Tiburtina-Ensemble (CZ)

"Hört, Soldaten Gottes!
Das Hymnar von Jistebnice - tschechische Gesänge nach hussitischer Tradition"

Sonntag, 1. Oktober 2017, 17.00 Uhr

67595 Bechtheim, St. Lambertus

15.30 Uhr Kirchenführung


Tiburtina

Das 2008 in Prag gegründete Frauenensemble Tiburtina hat sich auf die Interpretation gregorianischer Gesänge, mittelalterlicher Polyphonie und zeitgenössischer Musik spezialisiert. Dank seiner besonderen Klangfarbe und seiner Ausdrucksstärke gilt das Ensemble, das unter der Leitung von Barbora Kabátková steht, auf dem Gebiet der frühen Musik als eines der besten Europas. In den Konzerten werden neben vokal-instrumentalen Kompositionen des Mittelalters auch ungewöhnlichere Projekte vorgestellt, die mittelalterliche Musik mit anderen musikalischen Genres kombinieren. Das Ensemble ist bereits an zahlreichen namhaftenKonzertorten in Tschechien und anderen europäischen Ländern aufgetreten. Der Name „Tiburtina“ leitet sich von der im Mittelalter sehr bekannten Tiburtinischen Sibylle ab, einer Seherin, deren Weissagungen eng mit dem Christentum verknüpft waren.

SWR2 LogoDieses Programm wird von SWR mitgeschnitten und zu einem späteren Zeitpunkt im Hörfunkprogramm SWR2 gesendet.

"Hört, Soldaten Gottes!"

Die im Jahr 1348 gegründete Karls-Universität in Prag zog schon immer namhafte Wissenschaftler an. Jan Hus (1370–1415) war dort zeitweise Professor und Rektor. Er gehörte zu den Vorreitern der Reformation und war in seinem Denken und Tun anderen wichtigen Reformatoren wie Luther und Calvin um etwa einhundert Jahre voraus. Für seine Überzeugungen wurde er im Juli 1415 auf dem Konzil von Konstanz verbrannt. Die Hussitenbewegung entstand aus den Auseinandersetzungen in Böhmen, die in den Hussitenkriegen gipfelten. In den 1420er Jahren waren die Kämpfe am ausgeprägtesten. Zu dieser Zeit hatte sich bereits die Idee einer im wahren Glauben vereinten tschechischen Nation herauskristallisiert. Auch die tschechische Liturgie spiegelt dies wider. In dieser Zeit liegen die Ursprünge des Hymnars von Jistebnice. Das Manuskript ist nach dem Ort benannt, an dem es 1872 entdeckt wurde. Es gilt als die älteste Quelle für liturgische Gesänge in tschechischer Sprache. Damit konnte das heutige Tschechien als einziges der Länder, die den römischen Ritus befolgten, schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts umfassende Übersetzungen der lateinischen Texte für Messen in die regionale Sprache vorweisen. Mit dem Konzertprogramm nimmt das Ensemble Tiburtina Bezug auf eine Zeit in der böhmischen Musikgeschichte, die zu Unrecht vernachlässigt und nur mit dem Entstehen von hussitischen „Revolutionsliedern“ in Zusammenhang gebracht wird.

Die Pfarrkirche St. Lambertus in Bechtheim ist eine stattliche Flachdeckenbasilika aus der Epoche des Wormser Dombaus in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Die Kirche ist für den kleinen Ort ungewöhnlich groß. Es liegt nahe, dass es sich um mehr als eine einfache dörfliche Pfarrkirche gehandelt hat. Neben einer vermutlichen Wallfahrt dürfte es ein Priorat gegeben haben.