Ensemble Gilles Binchois (F)

"Nova Cantica"

Sonntag, 10. September 2017, 17.00 Uhr

76889 Klingenmünster, Kloster

15.30 Uhr KirchenfĂĽhrung

Binchois

Dominique Vellard ist seit 1979 die treibende Kraft und der kreative Kopf hinter dem Ensemble Gilles Binchois. In diesen mehr als 35 Jahren der musikalischen Forschung und Aufführung sind mehrere wegweisende Aufnahmen entstanden, insbesondere mit Musik aus dem Mittelalter und der Renaissance. Angesichts seiner führenden Rolle bei der Entstehung und Förderung der „französischen Schule“ der mittelalterlichen Musik – besonders im Hinblick auf die ganz neue Aufführungspraktik bei gregorianischen Gesängen – ist Dominique Vellard vor allem als Mittelalterspezialist bekannt. Das Ensemble variiert seine Programme mit Musik aus dem 10. bis 19. Jahrhundert und erneuert so immer wieder die eigene Begeisterung und kreative Motivation.

"Nova Cantica"

Die französische Musik des 12. Jahrhunderts ist von erstaunlicher Modernität geprägt, sowohl im Bereich der Einstimmigkeit als auch bei der Mehrstimmigkeit. In diesem Jahrhundert festigte sich die Musikästhetik der westlichen Welt endgültig.

Die „neuen Gesänge“ (nova cantica) des 12. Jahrhunderts zeigen einen Umbruch in der mittelalterlichen Denkweise. Die Figur Jesus, die durch ihre Menschwerdung und Auferstehung das Schicksal der Menschheit verändert, inspirierte die Künstler dieses Zeitalters zu einer Fülle an metaphorischen Bildern: Die gesamte Christenheit frohlockt und dankt, Chöre und Instrumente erklingen, die Menschen eilen zum Kind Gottes in der Krippe, hin zu den Gaben, mit denen diese Welt angefüllt ist, und hin zu dem Licht, das die Gläubigen leitet, ihre Tränen trocknet, ihre Schmerzen lindert und die Dunkelheit besiegt.

Diese neuen Texte und ihre musikalische Einbettung bezeugen die Wahrheit der göttlichen Offenbarung – einer Offenbarung, an der alle Sinne beteiligt sind, durch die der Mensch die Auferstehung erfährt.

KlingenmünsterDas Benediktinerkloster Klingenmünster ,Clinga Monasterium’ (626 bis 1565) ist Namensgeber und Keim zelle des Ortes. Es handelt sich wahrscheinlich um das älteste der Urklöster Deutschlands. Man lebte nach den Regeln des heiligen Columban bis diese im 8. Jh. durch die Regeln des heiligen Benedikt (ora et labora) abgelöst wurden. Den Höhepunkt seiner Entwicklung mit hohem Stand an Bildung und Kultur hatte das Kloster zur Salier- und Stauferzeit, insbesondere unter Abt Stephan I. um 1100. Aus dieser Zeit sind noch bauliche Elemente erhalten: Das romanische Westwerk, die Doppelturmanlage mit Spindeltreppen, eine spätromanische Emporenkapelle, die Verbindung zum Abtshaus und die Mauern des Mönchs saals. Malereireste findet man nur noch über dem Chor bogen an der Ostwand (Umrisse einer Maria mit Kind). Ein ehemaliges südliches Querschiff (früher mit Apsis) ist heute Sakristei.