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Kompass Europa:

Sterne des Südens

Die Verbindung der romanischen Architektur mit der Musik ihrer Entstehungszeit macht die Faszination der Konzertreihe Via Mediaeval aus, die der Kultursommer seit 1999 in romanischen Gebäuden der Pfalz veranstaltet und dazu Weltstars der Musik des Mittelalters einlädt.

Die Reihe bildet damit die Fortführung des französischen Partner-Festivals Voix et Route Romane im Elsass und widmet sich mit seinen inhaltlichen Schwerpunkten auch in diesem Jahr wieder dem Kultursommer-Motto „Kompass Europa: westwärts“.

Ab Juni 2024 werden alle Konzerte des Jahres hier verzeichnet sein. Ab Mai wird es voraussichtlich einen Überblicksflyer zum Download geben.

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Wenn Sie Interesse daran haben, künftig das aktuelle Programmheft postalisch zu erhalten, können Sie sich hier dafür anmelden: www.kultursommer.de/formular/infomaterial/

Konzerte 2023

Der Vorverkauf erfolgt über die örtlichen Gemeinden, das Ticket-System reservix oder über das jeweilige Partnerfestival.

Zu den Konzerten mit dem Kirchenfester Icon Kirchenfenster findet für Konzertbesucher eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn eine kostenfreie Kirchenführung statt.

Einige Konzerte werden für das Hörfunkprogramm von Icon SWR2 aufgezeichnet.

Tickets für die Konzerte können Sie über Reservix erhalten. Logo Reservix

So 03.9.

17.00 Uhr

Bechtheim, St. Lambertus

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Canty (SCT)

Gesänge zur Verehrung Irischer und Schottischer Heiliger

St. Lambertus
Kirchgasse 3
67595 Bechtheim
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Vorverkauf

Das Ensemble Canty präsentiert in diesem Programm Choräle aus mittelalterlichen irischen und schottischen Quellen. Zu diesem Repertoire zählen ganze Offizien für die drei Schutzpatrone von Irland, Brigida von Kildare, Patrick von Irland und Columban von Iona, sowie polyphone Stücke aus dem schottischen Manuskript „W1“ (auch als „St Andrews Music Book“ bezeichnet).

Die Antiphonen, Loblieder und Responsorien berichten von den ereignisreichen Lebensgeschichten, den Mysterien und Wundern dieser Heiligen mit Wurzeln im Mittelalter. Teilweise vermischen sich christliche und heidnische Vorstellungen, da die Kirche zu dieser Zeit noch in starker Konkurrenz zu älteren Glaubensrichtungen stand. Die Sängerinnen werden von der keltischen Harfe begleitet, die häufig im religiösen Kontext eingesetzt wurde und seit dem Mittelalter den einzigartigen Klang schottischer und irischer Lieder prägt.

Rebecca Tavener hat schon vor der Gründung von CANTY mit Musikwissenschaftlern zusammengearbeitet, die sich auf nicht-Gregorianische Choräle spezialisiert hatten. Anlass war der 800. Geburtstag Hildegards von Bingen im Jahr 1998. CANTY besteht aus den vier erfahrensten Sängerinnen der von Alan und Rebecca Tavener gegründeten schottischen Gruppe Cappella Nova. Jede dieser Sängerinnen hat bereits mit erfolgreichen professionellen Vokalensembles wie The Sixteen und den BBC Singers gearbeitet. Bill Taylor begleitet das Ensemble schon seit dessen Anfängen. Gemeinsam haben sie mehrere Alben mit mittelalterlicher Musik aufgenommen, darunter selten gehörte Choräle und polyphone Musik aus Schottland und Irland.

Bild Canty
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Sa 09.9.

17.00 Uhr

Neuwiller-lès-Saverne/Elsass, Kirche St. Adelphe

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Partnerkonzert Voix & Route Romane
Dialogos (F)

Nexus Winchester
Ein Putsch in der Kathedrale

St. Adelphe
Rue des Cigognes
F-67330 Neuwiller-lès-Saverne
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Vorverkauf

Am 19. Februar 964 wurden die Kanoniker der Kathedrale von Winchester von ihrem Bischof, dem berühmten Aethelwold, vertrieben und durch Mönche aus Abingdon ersetzt. Was war der Grund dafür? Laut Wulfstan von Winchester, dem raffinierten Dichter, Sänger und Biografen und Zeitgenossen von Aethelwold, lag es daran, dass sie „pervers und skandalös, stolz und unverschämt waren, ohne die Messe zu feiern lebten, unerlaubt Frauen heirateten, sich dann scheiden ließen und andere nahmen, sich in Völlerei und Trunkenheit verloren und sogar versuchten, den Bischof zu vergiften".

Über tausend Jahre später versammelt sich das Ensemble Dialogos, um dieses Repertoire aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Die Monodie wird durch Polyphonie bereichert: Während Instrumente und Stimmen in theatralischeren Szenen in Dialog treten, klingt die Vergangenheit mit der Gegenwart gemeinsam und gibt diesen geheimnisvollen handschriftlichen Quellen eine Stimme.

Unter der Leitung von Katarina Livljanić, Sängerin und Musikwissenschaftlerin, Professorin an der Schola Cantorum in Basel, hinterfragt Dialogos unsere Beziehung zur Vergangenheit. Das Ensemble vereint seit 1997 Sänger:innen und Instrumentalist:innen aus verschiedenen Gegenden und Ländern. Gemeinsam lassen sie die mündlichen und musikalischen Traditionen Europas vom Mittelalter bis heute wieder aufleben, mit einem besonderen Interesse an der südslawischen Welt.

Die Forschungsarbeit von Katarina Livljanić, die hinter den Programmen von Dialogos steht, ermöglicht die Entdeckung eines bisher unveröffentlichten Repertoires. In einer auf mittelalterlichen Quellen basierenden Musiksprache zwischen Cantus planus, traditionellen Melodien und Polyphonie wird die Vergangenheit lebendig. Die große Musikalität und die zeitgenössische Theatralik offenbaren die Schönheit dieser Geschichten, die die Zeit überdauert zu haben scheinen.

Bild Dialogos; cr MS Goewecke
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So 10.9.

17.00 Uhr

Offenbach-Hundheim,
St. Maria

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Emilio Villalba & Cantica Ensemble(E)

Cantigas aus dem Alcázar von Alfonso el Sabio

Abteikirche St. Maria
Klosterstraße 12
67749 Offenbach-Hundheim
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Vorverkauf

Während der Regentschaft Alfons des X. (Beiname „der Weise“), König von Kastilien und León, mischten sich verschiedene kulturelle Einflüsse, die zu einer historisch äußerst bedeutsamen Weiterentwicklung der spanischen Lyrik führten. Zu dieser Zeit entstand eine Sammlung mittelalterlicher spanischer Lieder, sogenannter Cantigas, von denen ein Großteil in der Schreibstube des Königspalastes Alcázar in Sevilla verfasst wurde. Dies spricht für einen nicht unerheblichen Einfluss der andalusischen Kultur auf die Sammlung. Alfons der X. hatte eine Reihe von Musikern mit unterschiedlichem regionalem, kulturellem und religiösem Hintergrund zusammengerufen, damit sie ihr Wissen, ihren Stil und ihre Kunstfertigkeit in die Kompositionen einfließen lassen.

Das Konzert führt uns durch die Räume des Alcázar, in denen die Musiker:innen, Komponierenden und Dichter:innen an den Cantigas arbeiten.

Emilio Villalba und Sara Marina haben sich auf die Wiederentdeckung und Verbreitung spanischer Musik aus dem 12. bis 16. Jahrhundert spezialisiert. Sie geben seit mehr als zehn Jahren Konzerte in ihrem Heimatland Spanien und im übrigen Europa und kombinieren dabei Musik, Theater und erzählerische Elemente miteinander. In Zusammenarbeit mit Instrumentenbauern haben Villalba und Marina bereits mehr als 60 historische Instrumente (u. a. Viella, Vihuela, Psalter, Drehleier, Clavisimbalum, Organetto, historische Gitarren) nachgebaut, um auf der Bühne authentische Klänge präsentieren zu können.

Das Repertoire von Villalba und Marina umfasst Stücke, die sich von der musikalischen Tradition von al-Andalus über Lieder der Sephardim bis hin zu mittelalterlichen Codices und Werken aus der spanischen Renaissance erstrecken.

Bild Emilio Villalba & Cantica Ensemble; cr Emi Sara
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Fr 15.9.

19.30 Uhr

Hornbach, St. Fabianstift

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Ensemble Aventure (NL)

Lieder des Spätmittelalters aus der Gruuthuse-Handschrift

St. Fabianstift
Im Klosterbezirk
66500 Hornbach
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Vorverkauf

Schwach ist unsere Existenz, unsicher und zerbrechlich. Das gilt für alle Zeiten und ganz sicher für die unsere, in der der Klimawandel und die fragilen Ökosysteme unsere menschliche Zerbrechlichkeit und ungewisse Zukunft zeigen.

Im Herzen des Gruuthuse Manuskripts umschließen drei Marienlieder zwei Lamentationen. So klingen Hoffnung, Trauer, Trost, Akzeptanz und Resignation in der Sprache des Spätmittelalters an. Maria, eine Rose voll himmlischen Taus, ist der Schlüssel. In einem ergreifend persönlichen Ton besingen die Lamentationen den schmerzhaften Tod eines geliebten Menschen und die Zerbrechlichkeit unserer Existenz. Es ist gerade das Persönliche, das sich als zeitlos erweist. Musik ist das Zauberwort, das uns als universelle Kraft den Mut gibt, uns unserer zerbrechlichen Existenz zu stellen. Virtuose Instrumentalarrangements aus dem 15. Jahrhundert bilden den mittelalterlichen Rahmen um die Aktualität dieses zeitlosen Zyklus.

Aventure (Amsterdam) betrachtet die spätmittelalterliche Musik nicht als isolierte Kunstform, sondern als einen Aspekt einer ganzen Kultur. Diese Sichtweise und die experimentelle Erforschung der Aufführungspraxis instrumentaler Ensemblemusik aus dem 15. Jahrhundert machen Aventure zu einem eigensinnigen Ensemble. Das Ensemble trat auf internationalen Podien wie u.a. Les Académies musicales de Saintes (F), Festival van Vlaanderen (B), Early Music Netwerk Utrecht (NL); Early Music Festival Tallinn (E), Musica Sacra Maastricht (NL) mit Programmen auf, die von Oswald von Wolkenstein (CD O, snode welt, AC Classics, 1995) bis zur niederländischen Polyphonie aus dem Koning- Manuskript (CD's Adieu, naturlic leven mijn; Ons is een kijnt geboren, Challenge Records, 2007; Songs from the Gruuthuse Manuscript ca. 1400, Challenge Records, 2018) reichen. Aventure bietet jährlich Workshops und Sommerschulen an. Das Ensemble führte mehrere interdisziplinäre (Forschungs-) Projekte durch, wie u.a. Filling the gap.

Bild Ensemble Aventure
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Sa 16.9.

20.00 Uhr

Otterberg, Abteikirche

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De Caelis (F)

Westlich von Notre Dame –
Musikalische Einflüsse zwischen Frankreich und England
im 13. und 14. Jahrhundert

Logo SWR2

Abteikirche
Kirchstraße 3
67697 Otterberg
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Vorverkauf

Von jeher hat der Ärmelkanal Frankreich und England ebenso verbunden wie getrennt. In den Herzen der Menschen, die am Ärmelkanal leben, herrschte ein Kampf zwischen Liebe und Hass. Dieses Programm verdeutlicht die Einflüsse, die auf beide Seiten wirkten. Es beleuchtet die große Gattungs-Vielfalt, die im Mittelalter von englischen Musikern kultiviert wurde.

Im 13. Jahrhundert fand ein reger kultureller Austausch statt, wodurch die Pariser Mehrstimmigkeit der Gotik (Notre Dame-Schule) schnell in England Fuß fasste. Der „Pariser Stil“ und seine Techniken wurden außerordentlich viel praktiziert, lange nachdem Organum und Conductus anderswo aufgegeben worden waren. Es entstanden hybride Gattungen. Eine Vorliebe für die Intervalle von Terz und Sext machte sich bereits bemerkbar. Anglo-normannische Texte wurden an Stücke angepasst, die ursprünglich in Latein oder Französisch waren. Dieses Programm besteht aus Motetten und Conductus des 13., 14. und 15. Jahrhunderts aus englischen Quellen und gibt Einblick in das einflussreiche Repertoire der Notre Dame-Schule in Westeuropa.

Das Ensemble De Caelis wurde 1998 von der künstlerischen Leiterin Laurence Brisset gegründet und hat sich auf die Aufführung unbegleiteter Vokalwerke des Mittelalters spezialisiert. Das Ensemble inszeniert unwahrscheinliche Begegnungen zwischen den Meistern der Vergangenheit und denen der Gegenwart. Dabei bringt es die alte Musik in einen lebendigen und kreativen Prozess und wirft ein neues Licht auf unser Erbe.

Auf Grundlage der Erforschung von Klangfarben, Ornamenten und Improvisationen lädt De Caelis jede Saison Komponist:innen ein, die Besonderheiten des Repertoires zu entdecken. Das Ensemble setzt sich für die Schaffung und Aufführung zeitgenössischer Werke ein und präsentiert sie in Programmen, die Resonanzen zwischen zwei Epochen schaffen sollen: dem Mittelalter und der Gegenwart.

Bild De Caelis; cr F. Lebos
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Sa 30.9.

19.00 Uhr

Rumbach, Christuskirche

Icon Kirchenfenster

Ensemble EVOCA Project (E)

„Santiago“ - Ein musikalisches Porträt des Hl. Jakobus
aus dem 12. Jahrhundert

Christuskriche Rumbach
Ortsstraße 34
76891 Rumbach
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Vorverkauf

Das Programm ist als Reise durch verschiedene Stationen des Lebens von Jakobus konzipiert, basierend auf den biblischen Texten zu seinem Lebens- und Leidensweg. Auch die ihm nach seinem Tod zugeschriebenen Wunder finden Erwähnung. Vorgetragen wird liturgische und paraliturgische Musik aus dem Jakobsbuch des 12. Jahrhunderts, die den Kult um Jakobus fördern und Gläubige zur Wallfahrt nach Santiago de Compostela motivieren sollte. Die Stücke aus dem Manuskript, das wahrscheinlich aus dem Burgund stammt, wurden gezielt zu diesem Zweck komponiert. Neben Gregorianischen Chorälen (Antiphonen, Responsorien und vor allem musikalischen Bestandteilen der Messe) und Neukompositionen, wie Tropen und Conductus, finden sich darin auch Organa und polyphone (zweistimmige) Conductus, die in ihrer Ästhetik stark an die zur Entstehungszeit des Manuskripts aktuelle St.-Martial-Schule erinnern.

Im Verlauf des Konzerts wird deutlich, wie Jakobus im 12. Jahrhundert gesehen bzw. welches Bild von ihm damals vermittelt wurde und wie vielfältig die Musik aus dieser Epoche ist.

Im Anschluss an das Konzert lädt die Fairtradegemeinde Rumbach zu einem fair-regionalen-Pilgermahl herzlich ein. Die Einnahmen werden mit Hilfe der Medizinischen Krisenhilfe Pirmasens e.V. an ein Projekt in Burkina Faso gespendet. Anmeldung erwünscht unter der Tel-Nr.: 06394/993878.

Im Rahmen des Projekts EVOCA (Spanisch: Exploración de la Vocalidad y la Oralidad del Canto Antiguo – Untersuchung der Vokalität und Oralität früher Vokalmusik) experimentieren vier Sängerinnen mit mündlichen Überlieferungen als wichtigstem Anhaltspunkt für Aufführungen mittelalterlicher Musik. Seit seiner Initiierung im Jahr 2020 wird das Projekt von der Aula de Música der Universität Alcalá, dem Centre del Carme Cultura Contemporània in Valencia, vom französischen Festival Voix et Route Romane und seit Ende 2022 auch von der Universität Complutense Madrid gefördert.

Die vier Sängerinnen haben sich schon zuvor mit Alter Musik, zeitgenössischem Repertoire und der Tradition der mündlichen Überlieferung beschäftigt. Dieser gemeinsame Hintergrund hat sie in dem von Paloma Gutiérrez del Arroyo ins Leben gerufene und geleitete Projekt EVOCA zusammengeführt. Das noch junge Projekt startet mit einem Programm rund um das Jakobsbuch aus dem 12. Jahrhundert.

Bild Ensemble EVOCA Project; cr Josu Gastón
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So 01.10.

18.00 Uhr

Klingenmünster, Mönchsaal im Kloster

Icon Kirchenfenster

John Potter & Leah Stuttard (GB)

Fin amor et bone esperance - Geistliche Lieder der Trouvères

Benediktinerkloster Klingenmünster
Weinstraße 40
76889 Klingenmünster
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Vorverkauf

Im Gegensatz zu den oft romantisch verklärt dargestellten Troubadouren und vor dem Hintergrund des tragischen Schicksals der okzitanischen Kultur im Zuge des Albigenserkreuzzugs, wird die nordfranzösische Tradition der Trouvère, die sich aus der Troubadourdichtung entwickelt hat, oft übersehen. Noch weniger bekannt sind die Marienlieder überwiegend anonymen Ursprungs, die sich in den einschlägigen Manuskripten neben typischen Minneliedern finden. Das Konzertprogramm beruht auf zwei Chansonniers (Liedersammlungen) vom Ende des 12. Jahrhunderts und soll zeigen, wie Musiker und Dichter für dieses Repertoire die säkuläre, an eine unerreichbare Hofdame gerichtete fin amor (Minne), in eine nicht weniger leidenschaftliche Hingabe an die Gottesmutter umgewandelt haben. Es handelt sich nicht um didaktische Werke, in denen Maria als Heilige verehrt wird, sondern um Lieder über Maria als Sinnbild der himmlischen Schönheit und Heiterkeit und als Objekt eines großen Verlangens.

John Potter (Gesang) hat in David Munrows Early Music Consort of London erste Erfahrungen mit mittelalterlicher Musik gesammelt und mit dem Ensemble Werke von Léonin und Pérotin aufgenommen. Später folgten ein Pérotin-Album (ECM) mit dem Hilliard Ensembles und drei Léonin-CDs (Hyperion) mit Potters Ensemble Red Byrd. Als Mitglied des Ensembles Conductus hat Potter ebenfalls drei Alben mit mittelalterlicher Musik aufgenommen. Weitere herausragende Projekte seiner Laufbahn waren das Album Officium des Hilliard Ensembles und die Arbeit mit dem Dowland Project. Potter ist auch Wissenschaftler und Autor und hat u. a. ein Kapitel über die moderne Aufführungspraxis mittelalterlicher Musik für das Buch Cambridge History of Medieval Music sowie das demnächst erscheinende Song: a History in 12 Pieces (Yale University Press) verfasst.

Leah Stuttard (Harfe) stammt aus dem industriell geprägten Nordwesten Englands, singt praktisch seit sie denken kann und spielt seit 25 Jahren mittelalterliche Harfe. Nach dem Studium an der Schola Cantorum Basiliensis in der Schweiz hat sie mit bekannten Musikern wie Jordi Savall und dem Ensemble Unicorn zusammengearbeitet. Sie genießt es, in ihrem Beruf die ganze Welt bereisen zu können. Stuttards erstes Ensemble war im Jahr 2002 Micrologus aus Italien. Dort ist sie bis heute für das „gewisse britische Etwas“ zuständig.

Bild John Potter
Bild Leah Stuttard
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Karte mit Veranstaltungsorten Bild Offenbach Bild Bechtheim Bild Otterberg Bild Hornbach Bild Rumbach Bild Klingenmünster Bild St. Adelphe

Romanische Gebäude in der Pfalz

Konzertorte

Via Mediaeval. Mittelalterliche Vokalmusik in romanischen Gebäuden. Eine Musikreihe des Kultursommers Rheinland-Pfalz in Verbindung mit seinen regionalen Partnern.

Hintergrund
Bild: 20 Jahre - Motiv

Jubiläum in 2019

20 JAHRE

Wie so oft gab das Motto des Kultursommers die Anregung – ohne wäre es vielleicht nie dazu gekommen…

„Rendezvous mit Frankreich“ hieß das Länder-Motto im Jahr 1999 und dieses Thema lag ja wirklich nahe – musste man doch nur im Süden mal über die Grenze schauen. Dort gab es unter anderem seit 1992 das elsässische Festival „Voix et Route Romane“. Entlang einer im Elsass touristisch schon erschlossenen Straße, die Gebäude romanischer Architektur miteinander verbindet, veranstaltete Direktor Jean Paul Linder Konzerte mit Alter Musik, jeweils im Herbst des Jahres. So startete die Zusammenarbeit mit Frankreich und die rheinland-pfälzische Konzertreihe – nach ersten Kontakten in 1998 und der Spektakulum-Aufführungen von „Die Dame mit dem Einhorn“ – in Speyer mit einem angelehnten Konzept im südlichen Teil unseres Bundeslandes. Schnell war auch der Name der Konzertreihe in einer Übersetzung des französischen Vorbilds gefunden: „Vokalmusik entlang der Romanischen Straße".

Dabei entwickelte sich der klare Rahmen für die 6-8 Konzerte in der Pfalz:

  • Die Konzerte sollten ausschließlich in Räumen stattfinden, die sichtbar romanischem Baustil zuzuordnen sind
  • Das musikalische Spektrum sollte von der frühen Musik bis spätestens zur Epoche Martin Luthers reichen, Renaissance und Barock also sollten nicht beinhaltet sein
  • Die Konzerte sollten ein Beitrag zum jeweiligen Jahres-Motto der Reihe sein, das soweit möglich sich an das Kultursommer-Motto anschließen sollte
  • Der Verbindung von Musik und Architektur sollte Rechnung getragen werden durch das Angebot einer bauhistorischen Führung vor den Konzerten
  • Die Interpreten und Ensembles sollten alle auf höchstem künstlerischen Niveau und mit bestem musikwissenschaftlichen Wissen ausgestattet sein
  • Das Publikum wird durch ein ausführliches Abendprogramm mit Hintergrundinformationen, Begleittexten und Übersetzungen durch das Konzert geführt

Unsere Partner / weitere Links

Logo Voix

Festival Voix & Route Romane
Das Festival Alter Musik im Elsass
www.voix-romane.com

Logo REMA

REMA / EEMN
Die Reihe Via Mediaeval im Mitglied des Europäischen Netzwerks für Alte Musik / Réseau Européen de Musique Ancienne / European Early Music Network
www.rema-eemn.net

Logo Otterberg

Otterberger Abteikirchenkonzerte
Konzerte im der ehemaligen Zisterzienserkirche
www.otterberg.de/abteikirche/

Logo Euroclassic

Festival Euroclassic
Länderübergreifend in der Pfalz und im Elsass
www.festival-euroclassic.eu

Logo Int. Musiktage

Internationale Musiktage
www.dom-zu-speyer.de/dommusik/konzerte/ internationale-musiktage/

Logo Wunderhoeren

Wunderhoeren
Tage Alter Musik & Literatur in Worms
http://www.wunderhoeren.de

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Bild Prof. Dr. Stefan Morent

Künstlerischer Berater

Prof. Dr. Stefan Morent

studierte Musikwissenschaften und Informatik an der Universität Tübingen, Blockflöte und Historische Aufführungspraxis bei Kees Boeke sowie Musik des Mittelalters bei Andrea von Ramm und Sterling Jones. Er promovierte 1995 zum Dr. phil. als Stipendiat der Landesgraduiertenförderung und erlangte 2004 die Habilitation zum Thema „Das Mittelalter im 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Kompositionsgeschichte in Frankreich“ als Stipendiat des Graduiertenkollegs „Ars und Scientia im Mittelalter und der frühen Neuzeit“ in Tübingen folgte. Seit 2008 ist er dort außerplanmäßiger Professor.

Seine Forschungsinteressen reichen von der Musik des Mittelalters, ihrer Aufführungspraxis und Rezeption, über Musiktheorie der Renaissance (Glarean u.a.) und landeskundliche Themen (Musik im deutschen Südwesten, Musik am Stuttgarter Hof 16.-18. Jh.) sowie französischer Musik des 19. Jahrhunderts und Musik und Religion ("Sacred Sound") bis zur Digitalen Musikedition. Zur Zeit betreut er ein DFG-Forschungsprojekt zur Erschließung mittelalterlicher Musikfragmente aus württembergischen Klöstern.

Prof. Dr. Morent nahm Professur-Vertretungen in Trossingen, Wien, Hamburg, Heidelberg, Detmold, Saarbrücken, Mannheim und Köln wahr und folgte einer Einladung als Visiting Professor an die University of Berkeley/USA.

Als Leiter des von ihm gegründeten Ensembles „Ordo Virtutum“ für Musik des Mittelalters geht er einer umfangreichen internationalen Konzerttätigkeit mit Einladungen zu bedeutenden Festivals für Alte Musik nach und kann auf zahlreiche preisgekrönte CD-Einspielungen zurückblicken. Er ist künstlerischer Leiter der Festivals „Via Mediaeval – Musik und Räume des Mittelalters “ in Rheinland-Pfalz und „Musikalische Avantgarde um 1400“ in Konstanz. Außerdem leitet er die Schola Cantorum am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen.

Impressum

Herausgegeben vom Kultursommer Rheinland-Pfalz
der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur
Fischtorplatz 11, 55116 Mainz
Stand: Juni 2023
Gestaltung: www.beateschmitz.de
Technische Umsetzung: www.jung-newmedia.de
Fotos: Wenn nicht anders vermerkt von den Künstlern / Veranstaltern.
Darüber hinaus gilt das Impressum Kultursommer Rheinland-Pfalz

Kontakt

Kultursommer Rheinland-Pfalz
der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur
Fischtorplatz 11
55116 Mainz
Tel.: 06131 / 28 83 80
Fax: 06131 / 28 83 88
E-Mail: info@kultursommer.de

Datenschutz

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Darüber hinaus gilt die Datenschutz-Erklärung Kultursommer Rheinland-Pfalz.

westwärts

Prof. Dr. Stefan Johannes Morent

In diesem Jahr richtet sich das Ohr unseres Festivals gemäß dem Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz „Kompass Europa: westwärts“ nach Westen aus: Es lauscht dabei der Musik aus dem mittelalterlichen Irland und Schottland, den Niederlanden. Frankreich und Spanien.

Wir eröffnen mit Musik aus dem nordwestlichen Europa: In Schottland und Irland wurden im Mittelalter vor allem die drei Schutzpatrone Brigida von Kildare, Patrick von Irland und Columban von Iona verehrt. Das schottische Ensemble Canty bringt die auf dem Kontinent immer noch wenig bekannten liturgischen Gesänge zur Verehrung der Heiligen aus schottischen und irischen Handschriften, begleitet von der keltischen Harfe, in der Lambertuskirche in Bechtheim zum Klingen.

Nach Spanien, an den Hof Alfonsos X., dem Weisen ("el Sabio"), König von Kastilien und Léon, führt uns das Konzert des spanischen Ensembles Cantica unter Leitung von Emilio Villalba. Am Hof Alfonsos mischten sich christliche, jüdische und muslimische Kulturen, auch in der Musik. Er ließ eine großdimensionierte Sammlung von Liedern in der Dichtersprache Galego in reich illuminierten Prachthandschriften sammmeln, die Cantigas de Santa Maria, die Wundertaten Marias besingen. Das Konzert in Offenbach-Hundheim führt uns in die Räume des Alcázar, des könglichen Palastes in Sevilla, wo Dichter, Musiker und Komponisten an den Cantigas arbeiteten.

Im Fabianstift in Hornbach präsentiert das Ensemble Aventure aus den Niederlanden selten zu hörende Musik aus der sogenannten Gruuthuse- Handschrift. In dieser Liedersammlung aus dem Spätmittelalter finden sich Klagelieder und Lieder zu Verehrung Marias. In ihrer Kombination setzen sie Klage, Trauer und Resignation in Bezug auf die menschliche Existenz, aber ebenso Hoffnung und Trost im Blick auf Maria in Klang. Zusammen mit virtuosen Instrumentalarrangements für Blockflöten aus dem 15. Jahrhundert ergibt sich eine besonders intime und anrührende Klangreise in die Welt spätmittelalterlicher Musik der heutigen Niederlande.

In der Abteikirche Otterberg verfolgt das französische Ensemble De Caelis die musikalischen Verbindungen über den Ärmelkanal zwischen Frankreich und England. Die im 12. Jahrhundert an der Kathedrale Notre Dame zu Paris entstandene revolutionäre Musik von u.a. Leonin und Perotin mit Organa, Conductus und Motetten wurde auch an der Peripherie Europas rezipiert, so auch in England und Schottland. Das Konzert gibt einen Höreindruck von dieser beeindruckenden Musik, wie sie in englischen Quellen des 13. bis 15. Jahrhunderts überliefert ist.

Zurück nach Spanien, diesmal an die Westküste, führt uns das Ensemble EVOCA Project . In Rumbach präsentieren die spanischen Sängerinnen Musik zur liturgischen Verehrung des Hl. Jakobus. Santiago de Compostela entwickelte sich neben Rom und Jerusalem zu einem der wichtigsten Pilgerorte des Mittelalters. Im sogenannten Codex Calixtinus wurden Mirakelgeschichten, ein Reiseführer, aber auch liturgische Musik gesammelt. Das Konzert präsentiert Gesänge zur Messe und zum Stundengebet sowie mehrstimmige Organa und Conductus für den Hl. Jakobus.

Zum guten Schluss lassen John Potter und Leah Stuttard aus England geistliche Lieder der Trouvères erklingen. In der intimen Atmosphäre des Mönchssaal in Klingenmünster spürt das Duo aus Gesang und Harfe den weniger bekannten Marienliedern nach. Sie wurden von nordfranzösischen Dichter-Musikern in Sublimation der weltlichen, an eine unerreichbare höfische Dame gerichteten fin amor (Minne), in die religiöse, nicht weniger passionierte Hingabe an Maria geschaffen.

Wir möchten Sie verehrte Hörer:innen wieder herzlich zu unserer Konzertreihe einladen, um Ihnen wie gewohnt in höchster Qualität und in sorgfältig ausgewählter Übereinstimmung die Symbiose von Musik und Raum im Mittelalter als besonderes Erlebnis zu ermöglichen.

 

Bild Berater

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